Veränderte Leistungsrückmeldung an der Kapitän-Koldewey-Grundschule -perspektivisch ohne Noten
An unserer Schule verstehen wir Beurteilung als einen kontinuierlichen Prozess. Das Zeugnis ist dabei nur eine Form der Rückmeldung. Viel wichtiger sind regelmäßige Gespräche im Unterricht sowie im Austausch mit den Erziehungsberechtigten und den Kindern, die einen differenzierten Einblick in den individuellen Lernstand ermöglichen. Diese Rückmeldungen schaffen die Grundlage, um gemeinsam Ziele zu vereinbaren und passende Maßnahmen zur weiteren Lernentwicklung festzulegen.
Unterstützt wird dieser Prozess durch Kompetenzraster. Sie zeigen transparent auf, wo ein Kind aktuell steht, welche Fortschritte es gemacht hat und welche Kompetenzen im jeweiligen Jahrgang angestrebt werden. Auf der Homepage stehen die Kompetenzraster, die wir für die Lernentwicklungsgespräche nutzen, zur Einsicht bereit. So haben alle Mitglieder der Schulgemeinschaft jederzeit die Möglichkeit nachzuvollziehen, welche Inhalte im jeweiligen Schuljahr von Bedeutung sind und wo das Kind in seinem Lernprozess gerade steht.
Warum eine Schule ohne Noten?
Voraussichtlich ab dem Schuljahr 2026/27 verzichtet unsere Schule auf Noten und setzt anstelle dessen auf eine Rückmeldung in Textform, die durch durch Kompetenzraster gestützt wird. Dies tun wir wohlüberlegt basierend auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und unserer pädagogischen Haltung.
Inklusion und individualisiertes Lernen
Inklusion bedeutet, dass alle Kinder gemeinsam unterrichtet werden und entsprechend ihrer Fähigkeiten gefördert werden. Individualisiertes Lernen ist dabei ein zentraler Aspekt guten Unterrichts. Jedes Kind soll genau dort abgeholt werden, wo es steht. Doch wie kann dieser Lernfortschritt in Noten dargestellt werden? Notenzeugnisse können Kinder mit Förderbedarf ausschließen, da diese oft einen ausführlichen Bericht anstelle einer Note erhalten. Obwohl solche Berichte viel Wertschätzung und individuellen Aufwand zeigen, fühlen sich die Kinder oft stigmatisiert, weil sie als „anders“ wahrgenommen werden.
Rückmeldung geben
Neben Noten und Arbeiten müssen wir die Lernentwicklung jedes Kindes dokumentieren und Förderpläne erstellen, da Noten individuelle Fortschritte kaum abbilden. Noten vergleichen meist nur den Kenntnisstand oder die Leistung innerhalb der Klasse. Die individuelle Entwicklung wird selten berücksichtigt, außer vielleicht im Sportunterricht oder wenn ein Kind zwischen zwei Noten steht.
Beispiele zeigen, wie wenig aussagekräftig Noten sein können:
- Wenn der Notendurchschnitt schlecht ist, wird die Arbeit angepasst oder wiederholt, obwohl sie im Vorjahr gültig war.
- Ist eine Arbeit sehr gut, fragt man sich: War der Unterricht zu leicht oder die SchülerInnen besonders stark?
- Themen, die nicht behandelt wurden, beeinflussen trotzdem die Noten nicht.
- Fritzchen lernt nach einer schlechten Note alles, schreibt die Arbeit aber nicht erneut, weil es „unfair“ wäre.
Eine Note ist immer ein Durchschnittswert und sagt nichts darüber aus, was das Kind wirklich gelernt hat oder wo es sich noch verbessern muss.
Fairness
Noten sind nicht objektiv. Studien zeigen, dass Faktoren wie Schriftbild oder soziale Herkunft die Bewertung beeinflussen.
Noten schließen das Lernen ab.
Selbst wenn ein Kind nach einer Arbeit noch fleißig lernt, um Lernrückstände aufzuholen, ändert das nichts mehr an der Note. Auch leistungsstarke SchülerInnen haben keinen Anreiz, über das notwendige Maß hinaus zu lernen, wenn sie schon eine Eins haben.
Psychische Auswirkungen
"Kommt das in der Arbeit dran?" Noten erzeugen Druck und fördern den Vergleich unter den SchülerInnen. Sie führen dazu, dass oft nur für die nächste Arbeit gelernt wird, anstatt nachhaltig und für das Leben zu lernen.
(Literaturtipp: Eine Schule ohne Noten-neue Wege zum Umgang mit Lernen und Leistung von Björn Nölte und Philippe Wampfler)